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Polyarchie

Polyarchie stammt vom griechischen Wort poly (viele) und archos (Herrscher) und bedeutet Vielherrschaft. Der Begriff wurde 1956 vom Doktor für Politikwissenschaft Robert A. Dahl geprägt und bezeichnet in seiner politischen Theorie ein System, in dem sich die Macht auf mindestens drei Personen verteilt.

Robert A. Dahl

Der Begriff Polyarchie wurde 1956 vom Doktor Robert A. Dahl geprägt.

Wodurch zeichnet sich eine Polyarchie aus?

In seinem Buch A Preface to Democratic Theory (1956) definiert er Polyarchie wie folgt: Die politische Macht wird durch Wahlen entschieden, an denen alle Mitglieder einer Organisation teilhaben können, wobei alle Stimmen den gleichen Wert haben und die Mehrheitsentscheidung bestimmt. Durch eine Vielzahl an Wahlalternativen wird der Pluralismus des Systems gewahrt.

1989 veröffentlichte Dahl Democracy and its critics, in dem er auf die Grundrechte der Individuen gegenüber der demokratisch gewählten Regierung eingeht. Insbesondere das Recht auf freie Meinungsäußerung, Kritik an der Regierung und das passive Wahlrecht spielen hier eine Rolle. Eine Polyarchie zeichnet sich in diesem Werk auch dadurch aus, dass alle Bürger dieselben Informationen über politische Entscheidungen haben und die informierenden Medien nicht durch die Regierung kontrolliert werden.

Probleme des Konzepts: Wer darf wählen und gewählt werden?

Prinzipiell kann jede demokratische Regierung, die diese Vorgaben erfüllt, als Polyarchie bezeichnet werden. Dabei treten jedoch zwei große Probleme auf, die die meisten Demokratien von der Bezeichnung ausschließen. Erstens betrifft dies das Wahlrecht: Während das aktive und passive Wahlrecht in der Polyarchie grundsätzlich allen Personen in einem Nationalstaat gewährt wird, betrifft die Realität in den meisten Staaten ausschließlich Staatsbürger, was beispielsweise Menschen ohne Staatszugehörigkeit oder mit ausländischem Status ausschließt. Von der politischen Teilhabe im Machtzentrum ausgeschlossen sind auch Bürger in Gebieten, die durch die Hegemonie eines Staates diesem beigerechnet und wo Steuern erhoben werden, die Bürger jedoch keine Rechte besitzen, das aktive oder passive Wahlrecht – so es ihnen überhaupt zugestanden wird – auszuüben. In den USA trifft das beispielsweise auf Puerto Rico zu. Dahl befürwortet auch den Ausschluss der sozialen Unterschicht von der politischen Partizipation, da er ihr unterstellt, von Natur aus zu autoritären Regimes zu neigen und die Polyarchie so zu untergraben.

Probleme des Konzepts: Einflussnahme auf die Medien

Ein zweites Problem ergibt sich aus der Verflechtung der Regierung mit den Medien, da Lobbyisten – die in der Polyarchie zur Wahrung des Pluralismus ausdrücklich erwünscht sind – durch einseitige Berichterstattung Wahlen beeinflussen können oder Regierungsmitglieder in den Vorständen von Medienkonzernen eine gewisse Einflussnahme auf die Inhalte der medialen Darstellung ausüben. Populäres Beispiel hierfür ist Italien, wo der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi quasi alle bedeutenden Medien des Landes finanziell kontrollierte.